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Blog2018-05-24T18:57:03+02:00
2001, 2018

Winter, Depression & Zeitverschwendung

Von |Januar 20th, 2018|Kategorien: Alltag, Depression, Gedanken, Ich|Schlagwörter: , , , , , , , |Kommentare deaktiviert für Winter, Depression & Zeitverschwendung

Hallo. Mein Name ist Andy Feind und ich hasse Winter.

So oder so ähnlich könnte ich mich neuen Personen immer vorstellen. Denn an dieser Jahreszeit gibt es kaum Gutes. Es ist kalt und glatt. Die Menschen verlernen, was man in der Fahrschule teuer gelernt hat. Man muss Zeit verschwenden, in dem man die weiße Pest von Gehwegen, Einfahrten, Autos und Straßen entfernt, nur damit wenige Stunden später dieselbe Scheiße von vorne beginnt. Das nervt. Und wenn man auch nicht auf Wintersport steht, dann gibt es wirklich nichts Gutes am Winter.
Außer dass es schön aussieht. Das war’s dann aber auch schon.

Wenn ich meinen Mitmenschen meinen Unmut über die aktuelle kaltweiße Wetterlage kundtue, dann höre ich stets Sätze wie „Dann wohnst du aber falsch“, „So ist das im Schwarzwald eben“, „Ich wäre froh, hier gäbe es so viel Schnee“ oder „Kann man halt nicht ändern“. Nur zur Info. Das weiß ich selbst. Und hätte ich die Wahl und die finanziellen Mittel, dann würde ich an einem Ort leben, an dem es keinen Schnee gibt. Auch nicht an Weihnachten. Weil mich das Zeug maximal nervt.

Zusätzlich zu meiner grundsätzlichen Abneigung dem Winter gegenüber kommt noch, dass der Winter meine Depression ver- oder zumindest bestärkt. Die Sonne scheint weniger, mein Genervtheitspegel ist sowieso schon höher als sonst und die Motivation das Bett oder meine Couch zu verlassen, befindet sich beinahe auf dem Nulllevel. Was schlecht ist.
Hinzu kommt, dass ich diese Woche mit einer Grippe zuhause lag und so gut wie keine menschliche Interaktion hatte. Also nahm ich mir für den heutigen Samstag vor, das Haus zu verlassen, einkaufen zu gehen und mal wieder unter Menschen zu gehen.

Als mich dann die erste Schneefräse um 04:45 Uhr weckte, wusste ich, dass die Pest sich weiter ausgebreitet hat. „Egal, vielleicht ist es später ja doch nicht so viel.“
Im Schwarzwald. Das habe ich mir tatsächlich eingeredet. Als ich gegen 10 Uhr wieder von einer Schneefräse geweckt wurde, wusste ich, dass heute ein Kampf wird. Ich war bereits von dem Geräusch so genervt, dass ich mich weitere anderthalb Stunden im Bett herumdrückte.

„Hallo Depression, leg‘ dich einfach neben mich und sei still“, hörte ich mich schon förmlich sagen.

Also raffte ich mich auf und sah mir das unvermeidliche Elend an. Alles weiß. Die Autos und Straßen komplett verschneit. Nicht gerade das, was man einen Stimmungsaufheller nennt.

Somit sitze ich nun hier, schreibe an diesem Eintrag und überlege mir schon, wie ich es am Besten vermeide, meine Wintersachen anzuziehen, mein Auto erst freizuschippen und danach noch vom Eis zu befreien und in das arschkalte Fahrzeug zu steigen, um mit gefühlter Schrittgeschwindigkeit zu einem Supermarkt zu fahren. Vermeidung, olé.
Das Problem an der Sache ist, dass mir die Decke auf den Kopf fällt, da ich die ganze Woche zuhause war. Aber das werde ich hoffentlich noch zwei Tage überleben.

Zum Glück gibt es Lieferdienste, denn diese werden mich wahrscheinlich nun durch das Wochenende bringen, da ich heute nicht willens bin, das Haus zu verlassen um mir den Arsch abzufrieren oder Zeit mit Schneeschippen zu verbringen.

In diesem Sinne,

frohes Frieren.

912, 2017

Die Flamme des Versagens

Von |Dezember 9th, 2017|Kategorien: Buch, Depression, Gedanken|Schlagwörter: , , , , , , , , , , |Kommentare deaktiviert für Die Flamme des Versagens

Samstag. Dezember.

Ich sitze in meinem aufgeheizten Wohnzimmer, während draußen jemand motiviert das harte Eis von seiner Windschutzscheibe kratzt. In knappen zwei Wochen ist schon wieder Weihnachten. Mir selbst fehlt bisher jegliche Weihnachtsstimmung, sowie die passenden Geschenke. Also, bevor ich mich in meiner kommenden Urlaubswoche hektisch ins Getümmel stürze, um Weihnachtsgeschenke zu besorgen und mich über die Menschheit aufzuregen, will ich dieses Wochenende noch etwas produktives auf die Beine stellen. Also sitze ich wieder ein mal vor dem Manuskript meines Buches.

Das Grundmanuskript des Buches habe ich bereits vor über zwei Monaten abgeschlossen, so dass ich zwischenzeitlich meine zehn Testleser und Testleserinnen ins Boot geholt habe und ihnen das Manuskript zukommen ließ. Mir war bei der Sache nicht ganz wohl, da es ja schließlich ein sehr persönliches Buch ist und ich fast zwei Jahre meines Herzblutes darin investiert habe. Aber ich tat es. Ich schickte die Mail mit dem Manuskript ab und harrte der Rückmeldungen. Manche sind bereits eingetroffen, so dass ich letzte Woche mit den Korrekturen meines Manuskriptes begonnen habe.

Dies ist nun allerdings auch der Punkt, an dem meine Depression sich wieder blicken lässt. Auch wenn es mir momentan ziemlich gut geht, wie behaupten würde, so spüre ich, wie die Depression geduldig im Hintergrund lauert und wieder nur darauf wartet, mich anzusticheln.

Für eine an Depressionen erkrankte Person, sind persönliche Fehler schwierig auszuhalten und man wirft sie sich schnell und ausgiebig vor. Fast so, als würde man es genießen, die eigenen Fehler vorgehalten zu bekommen. Und bei einer Korrekturlesung geht es paradoxerweise doch um genau dieses. Die Fehler, die man im Manuskript gemacht und übersehen hat, anzumerken und auszubessern. Und genau hier setzt alles wieder ein.

„Wieder ein Komma übersehen. Ganz toll. Egal, ausbessern und weiterscrollen. Oh, Rechtschreibfehler. Super, als wäre ich nicht in der Schule gewesen und wüsste nicht, wie man das Wort „sodass“ schreibt. Großartige Leistung, Herr Autor. Naja, weiter im Text. Oh, ein doppeltes „es ist“. „Es ist es ist“ – was ist denn so wichtig, dass mir das doppelte Lottchen nicht aufgefallen ist? Was, wenn das jemand lesen würde, weil ich zu viele Fehler gemacht habe? Das Ganze ist doch jetzt schon zum Scheitern verurteilt.“

Ich weiß in der logischen Ecke meines Gehirns, dass diese Gedanken Schwachsinn sind. Denn eine Korrektur ist ja genau dazu da, da jeder Mensch Fehler macht. Und wenn es um persönliche Themen geht, vielleicht noch mehr, als sonst. Weil man abgelenkt und zu sehr im Thema ist und sich nicht noch auf korrekte Kommasetzung oder Grammatik konzentrieren kann. Dennoch flackert in mir immer eine kleine helle Flamme des Versagens auf, wenn ich im korrigierten Manuskript eine hellgelbe Anmerkung sehe. Fehler auszuhalten und diese einfach zu verbessern sind ein gutes Training für den Alltag. Zu Fehlern sollte man stehen und ihnen nicht aus dem Weg gehen. Missgeschicke sollten belächelt und nicht als peinlich gewertet werden. Oder im schlimmsten Fall als Abwertung der eigenen Person. Wenn man sich diesen Gedanken bewusst macht, wird es zwar nicht besser, da die Flamme weiterhin aufflackert, aber ich komme manchmal schneller darüber hinweg. Manchmal. Nicht immer. Das wäre auch zu viel verlangt.

Nun setze ich mich also an die Korrekturfassung meines dritten Testlesers und halte weiterhin meine Fehler aus. Vielleicht sind manche ja bereits ausgemerzt und es wird gar nicht so schlimm. Vielleicht lege ich das korrigierte Manuskript auch nach zehn Seiten beiseite und gehe den Fehlern für heute aus dem Weg. Morgen ist schließlich auch noch ein Tag.

2210, 2017

Zweifel im Zusammenspiel mit der Depression

Von |Oktober 22nd, 2017|Kategorien: Buch, Depression, Gedanken|Schlagwörter: , , , , , , , , |Kommentare deaktiviert für Zweifel im Zusammenspiel mit der Depression

Zweifel sind ein wesentlicher Bestandteil meiner Depression. Ich zweifle ständig und viel.
An mir, an dem was ich tue und an dem was ich tun sollte. Weil ich unsicher bin. Weil es mir unangenehm ist, zu Scheitern. Niemand scheitert gerne, aber ich male mir die schlimmsten Situationen bereits im Vorfeld aus. Was nicht selten für schlaflose Nächte sorgt.

Heute ist einer dieser Zweifel-Tage. Ich zweifle besonders an meiner Autorentätigkeit und meinem Buch „Gedankengewitter“. Nicht, weil ich glaube, dass es schlecht ist. Sondern, weil ich bisher immer dachte, dass das Schreiben eines Buches der schwierigste Teil eines Schriftstellers ist. Ist es aber bei weitem nicht.

Es stehen so viele Dinge und Fragen im Nachhinein an, die berücksichtigt werden wollen:

  • Das Buch liegt momentan bei meinen Testlesern. Wie werden sie reagieren?
  • Es muss noch korrigiert werden, wenn die Testleser damit fertig sind.
  • Die Verlagssuche ist unheimlich anstrengend und frustrierend.
  • Sollte ich als Selbstverleger auftreten?
  • Bei welchem Anbieter sollte ich als Selbstverleger landen?
  • Wenn ja, welchen Preis soll ich für den Verkauf anstreben?
  • Hardcover oder Paperback?
  • Hochwertiger oder günstiger? Immerhin ist es mein erstes und vielleicht einziges Buch.
  • Ein Cover muss ausgesucht und produziert werden.
  • Der Text muss noch gesetzt werden, damit er im Buch gut aussieht.
  • Welche Schriftart nehme ich für das Buch?
  • Brauche ich einen weiteren Lektor, der die grammatikalischen Schwächen ausmerzt?
  • Als Selbstverleger muss ich ein Gewerbe anmelden, wenn ich meine Bücher selbst verkaufen möchte.
  • Was kommt dabei auf mich zu?
  • Wie organisiere ich Lesungen?
  • Benötige ich Sponsoren für die Lesungen?
  • Inwiefern kann und muss ich Marketing machen?
  • Lohnt sich das alles?

Viele Fragen, viele Zweifel. Ein schier unüberwindbarer, monströser Berg an Aufgaben, Abklärungen und Unwissenheit, der mich heute fast an den Gedanken bringt, das Ganze sein zu lassen und den einfacheren Weg einzuschlagen. Nichts zu tun. Nicht mehr offen darüber sprechen, wie es mir geht. Mein Buch nicht mehr zu bewerben.
Aber dann würde ich meiner Depression wieder die Macht über mich geben. Ich habe schon viel Lob zu meinem Manuskript erhalten, kann es aufgrund der Depression aber nur selten wirklich als Erfolg für mich verbuchen. (haha – Wortspiel)

Ich hadere auch mit der Öffentlichkeitsarbeit. Mache ich das alles richtig? Was, wenn ich jemandem nicht helfen kann?
Hat das alles dann überhaupt einen tieferen Sinn?

An Tagen wie heute zweifle ich an meiner Fähigkeit etwas leisten zu können. Etwas bewegen zu können. Und etwas schaffen zu können, wie „Gedankengewitter“, das die Leser in den Herzen und den Seelen berührt. Ein Buch, welches den Leser zum nachdenken bringt und einen AHA-Effekt auslöst. Ich muss mir schier einreden, dass alles gut ist, wie ich es mache. Und dass es vollkommen in Ordnung ist, von diesen ganzen Fragen und Eindrücken auch mal überfordert zu sein. Es ist in Ordnung, nicht alles zu wissen oder erahnen zu können.

Auch wenn die Depression mir in den Kopf setzt, ich müsse alles wissen und planen können.

Morgen sieht vielleicht alles wieder etwas klarer aus.

1010, 2017

Erschütterung.

Von |Oktober 10th, 2017|Kategorien: Depression, Gedanken|Schlagwörter: , , , , , , |Kommentare deaktiviert für Erschütterung.

Ich habe lange überlegt, ob es für mich Sinn macht, einen Blog zu erstellen.

Würde ich ihn regelmäßig führen?
Würde ihn jemand lesen?
Geht er nicht in der Masse von Blogs unter?
Was erwartet mein Publikum von meinem Blog?

Viele Fragen. Wenige Antworten.
Und dann passierte etwas in meinem Umfeld, das mir das Gefühl gab, ich muss den Blog erstellen.
Vollkommen egal, wie regelmäßig er gefüttert wird. Hauptsache, es stehen Dinge darin, die sinnvoll und wichtig sind.

Ich möchte zum gestrigen Montagmorgen springen.
Mein Wecker klingelte, ich wachte müde auf und blickte auf mein Handy. Ich erhielt die Nachricht, dass sich jemand in meinem Umfeld das Leben genommen hat.
Erschütterung machte sich in mir breit. Plötzlich war ich hellwach und eine Frage tauchte den gesamten Tag über in mir auf:

„Hätte man den Suizid verhindern können?“

Suizide sind eine schwierige Angelegenheit, da Menschen ungern darüber sprechen. Allgemein über den Tod wird ein viel zu großes Tabu gemacht.
Aber über Selbstmorde muss gesprochen werden. Und aus genau diesem Grund erstelle ich diesen Blog. Aus diesem Grund schreibe ich mein Buch. Aus diesem Grund möchte ich Lesungen und Vorträge über Depressionen und die Gefahr des Suizids sprechen. Weil es verdammt nochmal wichtig ist, darüber zu sprechen.

Es ist so wichtig, dass jeder, der den Mut findet, über seine Erkrankung zu sprechen, darüber spricht und andere Personen aufklärt. Eben weil man nicht wissen kann, wie sich ein depressiv Erkrankter fühlt, wenn man nicht schon in der Situation war. Weil niemand einfach erahnen kann, wie die Gedankenwelt eines Suizidgefährdeten aussieht. Also geht zu Vorträgen von Menschen die darüber sprechen, wenn ihr jemanden kennt, der Depressionen hat. Was habt Ihr zu verlieren? Maximal zwei Stunden Lebenszeit… die einem Anderen das Leben retten können.

Suizide können verhindert werden, in dem man sich selbst sensibilisiert. Auf die Worte der Menschen, die man liebt. Auf Veränderungen im Wesensbild dieser Menschen. Mir ist auch klar, dass nicht alle Selbstmorde verhindert werden können, aber jeder einzelne, der nicht durchgeführt wurde, ist ein riesiger Erfolg. Depressionen sind eine verdammt ernste Erkrankung, auch wenn es nicht immer so scheint.

Achtet auf Euer Umfeld. Bleibt aufmerksam und passt auch auf Euch auf.
Nur dann können sinnlose Selbstmorde verhindert und Menschen vor sich selbst und den tödlichen Folgen der Depression beschützt werden.

 

  • Andy Feind
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